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Im Geiste Shivas und Buddhas

Posted by: Dr. Karl-Heinz Golzio am 30. März 2008:

Aus dem Beitrag ist die Begeisterung des Journalisten herauszuhören, die ihn mehrmals dazu verleitete, nicht beweisbare Behauptungen als Tatsachen darzustellen. Das beginnt bereits mit der insinuierten Hochseeschifffahrt des Maurya-Königs Ashoka (268- nach 240 v. Chr.), von der nichts bekannt ist, beim Leser aber den Eindruck erweckt, als seien spätestens seit dieser Zeit Kulturkontakte nach Südostasien gesichert. Auch scheint die Aussage fragwürdig, ob der Borobudur (entstanden um 800 bis ca. 850) die Alltagsszenen "der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung" darstellt. Leider auch hier wieder "der gequälte Vollendete" (Siddharta) statt des richtigen Siddhartha. Auch die Aussage, daß "Tausende von Kilometern entfernt vom nördlichen Indien ... der Aufstieg von Königreichen und Dynastien beflügelt wurde", möchte wohl nahelegen, daß die Hauptimpulse von Nordindien ausgingen, während tatsächlich Südindien eine viel größere Rolle spielte, was man uunter anderem an den Schriftsystemen Südostasiens sehen kann, die von der Schrift der südindischen Pallava-Dynastie abgeleitet sind. Daß der Indische Ozean ein "bezeichnender Name" ist, verdankt er allerdings erst den Europäern der Entdeckungszeit, die ihn als "Mare Magnum Indicum" bezeichneten, während sein Name in der klassischen Antike Thalassa Erythre ("Rotes Meer") lautete. Unausrottbar ist auch die in den im 4./5. Jh. n. Chr. (!) verfaßten ceylonesischen Inselchroniken vertretene Ansicht, Ashoka habe den Buddhismus zur "Staatsdoktrin" (anderswo heißt es dann "Staatsreligion") erhoben und seinen Sohn Mahinda nach Sri Lanka geschickt. Nichts hat Ashoka wohl ferner gelegen, als eine Staatsdoktrin zu errichten, da er auch andere Religionsgemeinschaften förderte. In seinem XIII. Felsedikt berichtet er zwar davon, daß er in veile Gebiete außerhalb seines Reiches, darunter auch Sri Lanka, Gesandte (duta) geschickt habe, um die buddhistische Lehre zu verkünden, aber der Sohn geht ganz zu Lasten lankischer Mythenbildung. Die "Niederlassungen mit indischer Besatzung" sind wohl ein später der interpretatio Indo-Britannica des indischen Historikers Ramesh Chandra Majumdar (1895-1980), der in seinem Werk "Hindu Colonies in the Far East" (Calcutta 1944) noch von einer massenhaften Auswanderung indischer Kolonisten ausging. Gut charakterisiert ist der südostasiatische "Islam in jenen Anfängen" (wohl im Gegensatz zum heutzutage immer stärker werdenden Wahhabismus und ebenfalls aus Indien kommenden "fundamentalistischen" Strömungen), aber "das Christentum" verlangte nicht nach Abgaben und Gütern und Unterwerfung. Das mag für die Spanier auf den Philippinen und die Portugiesen zutreffen, aber die Macht der letzteren war sehr begrenzt und schwand nach spätetstens 150 Jahren ins Bedeutungslose. Holländer, Engländer und Franzosen jedoch taten alles Mögliche, um christliche Missionierung zu verhindern, da dies die Geschäfte störte (erst der Einfluß der Evangelikalen im englischen Parlament erzwang 1813 [!] die Zulassung christlicher Missionare. Und letztlich brachten auch diese europäischen Mächte, deren Machtzentren im Indischen Ozean auch zuerst in Indien und Indonesien lagen, neue Impulse, denn es hat schon seinen Grund, daß man heute von Indien als der "größten Demokratie der Welt" spricht. Golzio

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